Die Kunsthändler der Nazis … die Gurlitt-Sippe

Man tauschte im Auftrag der Nazis, kaufte Ertauschtes ab, beschlagnahmte und raubte im Auftrag der Nazis und ganz zum Schluß „rettet“ man völlig selbstlos die „unwerte“ Kunst vor den Bombenangriffen aus den Berliner Depots.

 

Der „kleinste“ gemeinsame Nenner nach dem Krieg?

Wir haben alles verloren!
Es ist alles verbrannt!
Wir haben nichts mehr!
Wir wissen nichts!

 

2007 verstarb der einzige Sohn des Nazi-Kunsthändlers B. Böhmer.
Dr. Meike Hoffmann wandte sich an die Erben, um Einblick in den Nachlaß zu erhalten, welchen sie daraufhin umfangreich erhielt.
Sie erfuhr wie die Nazi-Kunsthändler damals im Krieg und bis heute noch eine goldenen Nase verdient haben, und warum deren Erben auch heute noch sehr gut aus dem Nachlaß leben können., wie das brandaktuelle Beispiel Cornelius Gurlitt zeigt.
Böhmer war nicht nur Kunsthändler und Bildhauer, ihm gelang sogar etwas unglaubliches. Er erschuf eine echten Phoenix aus der Asche, in dem in seinem Nachlaß Bilder auftauchten, die die Nazis verbrannt hatten.
Und nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Spur des Gemäldes „Roter Turm I“ verloren, es galt als verschollen, bis es im Frühjahr 2006 bei einer Auktion von Hauswedell & Nolte in Hamburg auftauchte.
So ein Zufall aber auch, das war doch schon immer der „Haus und Hofauktionator“ Böhmers gewesen, und das ist beinahe des Ende vom Lied Böhmers, in dessen Nachlaß sich ebenfalls sehr viele Hinweise auf Privatverkäufe finden.

 

Die Gurlitt-Sippe
Der „kleinste“gemeinsame Nazi-Nenner?
Martin Bormann
Reichsleiter im Rang eines Reichsministers. Chef der Parteikanzlei (1941) und Privatsekretär Hitlers (1943).
Er verwaltete Hitlers persönliche Finanzen und die des Sonderauftrag Linz.

 

Wolfgang Gurlitt war Inhaber einer von seinem Vater vererbten Kunstgalerie in Berlin, die u.a. auch mit der frisch geraubten Kunst handelte.
Er siedelte 1937 nach Schließung der Galerie mit Sack, Pack, Ex-Frau und Ehefrau nach Bad Aussee in Österreich um , wo sich „zufälligerweise“ auch die Auslagerungs- und Verlagerungsorte des geraubten Kulturgutes für das Führermuseum Linz befanden, für das er beauftragt vom Nazi Voss kaufen, tauschen und rauben durfte.
Er erhielt obendrauf nach dem Krieg erst einmal Restitutionsleistungen,
und verschacherte 1953 den wohl größten und einfach unverkäuflichen 1937 erworbenen Negativbestand aus seiner ehemaligen Galerie an die Stadt Linz, die ihm dafür vertraglich vereinbart ein Museum widmete.
Es war und blieb bis zu seinem Tode Galerist in München, und wieviele geraubte Bilder unter dem Ladentisch verkauft worden sein müssen, wie die verschollenen Dix Aquarelle zeigen, die aus purem Zufall 2011 bei einer Familie gefunden wurden, die gerade einmal 45 Minuten von München entfernt lebt, ist und bleibt wohl ein Familiengeheimniss.

 

Sein Cousin Hildebrand Gurlitt stand ihm in nichts nach.
1943 wurde er durch Hermann Voss zu dessen akkreditierten Ankäufer für Linz in Paris einhergehend mit einem sta(a)ttlichen Jahresgehalt von 200.000 RM ernannt.
Ein Gehalt, mit dem das das eine oder andere Kunstwerk auch für den eigenen sammelnden Bedarf kaufen konnte.
Das Otto Dix Selbstportrait tauchte wahrscheinlich deshalb noch nirgends auf, weil Dix 1933 in Dresden arbeitslos wurde, und durch den Verkauf des Portrait an Gurlitt, den er selbst gut kannte, mit dem er in derselben Stadt lebte, einen Teil seines täglichen Bedarf deckten konnte.
Wenn man an dieser Stelle mal animmt, dass alles halbwegs rechtens erworben wurde.
Völlig selbstlos half er Sprengel beim Aufbau seiner Sammlung , in dem er selbst „gekauftes“ an Sprengel weiterverkaufte.
Er schien eine Art „Industriellen-Spezie“ in dieser Zeit gewesen zu sein, – wie man in München sagen würde-, was auch ein Brief seines Vaters verdeutlicht, in dem „Hildebrand … und dessen Kuriosum mit dem Fabrikanten Kirchbach“ im Dezember 1933 erwähnt wird.
Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass der private Nachlass El Lissitzkys und seiner Frau Sophie von dem Sohn Jen Lissitzky dem Sprengel Museum Hannover überlassen wird.
Lissitzky?
War da nicht auch etwas in München?
Wo der Cousin Galerist war, und der Sohn Cornelius seit den 60iger Jahren lebt?
Das Bild „Sumpflegende“ von Paul Klee, verramscht als entartetet Kunst landete es von Hannover aus in München.
Wie heißt es noch gleich?
Man erkennt seine Schweine am Gang!
Oder auch:
Es ist alles verbrannt!
Wir haben nichts mehr!
Sehr seltsam, denn es wurde doch hochoffiziell während des Krieges dort eingelagert, wo definitiv nicht gebombt wurde, wie eine Liste von Kunstwerken aus der Neuen Residenz, Bamberg.- Sammlung Gurlitt, Hamburg zeigt, die in Wiesbaden nach Kriegsende dokumentiert wurde.

 

Pervers ist und bleibt, dass sich alle Händler ausnahmslos als Retter der Kunst ansahen, und noch perverser ist, dass Hildebrand Gurlitt auch noch aufgrund seiner „vierteljüdischen“ Herkunft so ungeschoren davon kam, dass die Stadt Düsseldorf sogar eine Straße nach ihm benannte.

 

Hildebrand starb 1956 bei einem Verkehrsunfall, und sein Sohn Cornelius scheint neben den geraubten Bildern des Vaters auch dessen Kunstverstand und die Leidenschaft zum Handel geerbt zu haben.
Denn die im Februar 2012 in seiner Münchener Wohnung gefundenen 1285 ungerahmten und 121 gerahmten Bilder, die teilweise als verschollen galten, wurden einwandfrei von ihm aufbewahrt.
Und wenn das Geld mal wieder knapp wurde, wurde halt das ein oder andere gute Stück aus der „verbrannten“ Sammlung des Vaters verscherbelt, entweder früher in der Münchener Galerie Gurlitt oder man ließ einfach die alten Geschäftsbeziehungen wieder aufleben, denn wenn ein Gurlitt mit einem Bild unter dem Arm in ein Auktionshaus kommt, kann man auf eine großartige Expertise getrost verzichten.
Man weiß genau, woher die Bilder stammen, und die Familie bestens darüber informiert ist, welche Bilder man ohne „Restitutionsgefahr“ verkaufen kann oder auch nicht.
Warum sollte man als Auktionshaus auch auf ein solches für beide Seiten einträgliches Geschäft auch verzichten.

 

Das Auktionshaus
1939 führte Lempertz in Köln die Versteigerung der Kunstsammlung Walter Westfeld durch, der nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.
Das Kunst-Auktionshaus Math. Lempertz, Köln gab nach dem Krieg Aussagen und Erklärungen von Händlern und Verkäufern 1942-1947 ab, und damit war dieses Kapitel abgeschlossen.

 

Ab dato heißt es: Provenienz „aus Privatbesitz“
Wenn …
da nicht eines der 1937 zwangsversteigerten Werke aus der Sammlung Max Stern sowohl 1977 als auch 1996 bei Lempertz aufgerufen wurden, ohne daß das Auktionshaus auf die Vorgeschichte hingewiesen hätte.
Wenn …
da nicht in den 1970er Jahren 20 bis 30 Kunstwerke im Wert von einer Million DM aus dem Besitz Albert Speers mit der anonymen Provenienzangabe „aus Privatbesitz“ versteigert worden wäre, und Speer sich seit Ende der 1970er Jahre mit Vertretern des Auktionshauses Lempertz getroffen hatte, um die Erlöse von aus seiner ehemaligen Sammlung versteigerten Gemälden entgegenzunehmen – ohne Quittung!
Wenn …
Cornelius Gurlitt nicht mit einem Beckmann unter dem Arm  anno 2011 vorbeigekommen wäre.
Und ich möchte beim Auktionshaus Lempertz nicht wissen, wieviel Dreck die am Stecken haben, da es ist schon sehr merkwürdig, daß man die Kataloge der alten Maler etc. online abrufen kann, aber Moderne Kunst etc. ist nicht abrufbar!

 

Das Institut
Zum 1. Januar 2003 wurde am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin ein zunächst bis Dezember 2012 befristetes Forschungsprojekt „Entartete Kunst“ ins Leben gerufen, in dem seit dem Frühjahr 2012 insgesamt sechs Personen in diesem Forschungsprojekt tätig sind, und der Fund durch die Razzia bei Cornelius Gurlitt im selben Jahr dürfte den Bestand des Projektes bis zum Sankt Nimmerleinstag für alle daran Beschäftigten sichern.
An diesem Institut war auch Andreas Hünneke zu finden, der lt. der Dissertation von Gesa Jeuthe ebenfalls die Meinung vertritt, daß die Händler aufopferungsvoll nur retten wollten, und die Kunsthistorikerin Hoffmann kann nicht sagen, „bei wie vielen Werke es sich um in der ‚Lost Art‘-Datenbank registrierte Werke handelt.
Man arbeitet nicht mit Lost Art zusammen.
Das klingt einleuchtend, wozu sollte man auch auf eine bereits existierende hervorragend gepflegte Datenbank zurückgreifen.
Die gröbste Durchsicht von 500 beschlagnahmten Exponaten dauerte lediglich 1,5 Jahre.
Das heißt dann: die komplette gröbste Durchsicht dauert grob geschätzt fünf Jahre, worauf die eingehende Durchsicht folgt.
Daß u.a. „Lost-Art“ u.U. den Untersuchungszeitraum, den man braucht, erheblich beschleunigen kann, möchte man dann doch lieber nicht, und vertrödelt wertvolle Zeit bis zum St. Nimmerlein, an dem die geraubte Kunst zurückgegeben werden kann.
1935 lieferte Adeline Hinrichsen Courbets „Felsige Landschaft“ in das Auktionshaus Paul Graupe zur Versteigerung ein.
Auf der am 12.10.1935 durchgeführten Sammelversteigerung wurde das Bild für 3.000 RM verkauft.
1936 flohen Hinrichsen Söhne, und es ist einmal mehr davon auszugehen, dass der Verkaufserlös wichtig war, um das tägliche Leben des Herrn Hinrichsen als auch die Flucht der Söhne zu finanzieren. Und somit wäre Gurlitt als späterer Eigentümer des Bildes zur Restitution verpflichtet gewesen, da man in Bamberg u.a.
„Courbet, Gustave
Landscape With Rocks
Painting“ fand und beschlagnahmte.
Doch war war geschehen?
Es ist alles verbrannt! Wir haben nichts mehr!
Ein Abgleich mit der Bamberger Gurlitt-Liste und „Lost-Art“ wäre kein Problem gewesen, nur wozu die Eile?

 

Frage: auch hier ein Heiligenschein für die Händler seitens des Instituts?
So wird auch die nächsten jüdische Generation ein weiteres Mal beraubt.
Und das ist was?
MEINE MEINUNG: !ASOZIAL!

 

Der Focus-Artikel
Eigentlich war es ein Geheimprojekt, doch möglicherweise findet sich im Artikel selbst ein Hinweis, woher das Magazin die geheimen Informationen hatte, da nach Focus-Informationen für mindestens 200 Werke offizielle Suchmeldungen früherer Eigentümer vorliegen, die ihre Schätze unter den Nationalsozialisten verloren hatten.
In der Pressekonferenz wurde das als Quatsch „abgetan“, man wüßte nicht woher das kommt, was einleuchtend ist, da Fr. Dr. Hoffmann die „Lost-Art“ Datenbank bekanntlich nicht nutzt.
Es war klar, daß erheblicher Druck aufgebaut wird, wenn das öffentlich wird, aber genau das, kann die Sache nun beschleunigen, und die Kunstwerke müssen zurückgegeben werden.

 

Bin ich die einzige, der gestern in der Pressekonferenz aufgefallen ist, dass die Frage, ob Cornelius Gurlitt überhaupt noch lebt, nicht beantwortet worden ist?

 

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